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Potenziale für Kommunen

Welche Impulse Zukunftstechnologien für smarte Städte geben können

Online-Plattformen, das Internet der Dinge, künstliche Intelligenz, erweiterte Realität, Drohnen und Robotik sowie Blockchain sind bedeutende Gebiete digitaler Innovationen. Als Grundlage vieler neuer Anwendungen und Geschäftsmodelle verändern digitale Technologien Gesellschaft wie Wirtschaft massiv. Auch die Kommunalpolitik und -verwaltungen werden durch diese Innovationen verändert und neu geprägt.

 

Gemeinsames Merkmal der digitalen Technologien ist es, Daten zu sammeln, zu nutzen, auszuwerten und diese immer häufiger mit Maschinen, Automaten und Produkten zu verbinden. Die Daten speisen physische Geräte, damit sie lernen. Die künstliche Intelligenz ist eingebaut in Automaten wie Autos, Roboter und Drohnen oder wird von diesen aus der Cloud genutzt. Diese Kombination verstärkt die Automatisierung von Produktion und Dienstleistungen gleichermaßen. Miteinander vernetzt werden die smarten Devices zu einem Internet der Dinge.

 

Besser durch Feedback

Dabei nutzen lernende Geräte Daten als Feedback. Dieser Feedbackeffekt führt dazu, dass sich Systeme überprüfen, korrigieren, verbessern kurz: Sie werden genauer, treffsicherer, smarter eben. Und je mehr Menschen oder digital vernetzte Geräte Daten liefern, umso besser funktioniert der Feedbackeffekt. In der Summe haben die Feedback-Daten eine vergleichbare Wirkung wie der Skaleneffekt für die Massenproduktion des Industriezeitalters. Dies schafft Größen- und Verbundvorteile in der digitalen Wirtschaft. Ein gutes Beispiel dafür, wie Feedback-Daten genutzt werden, geben Online-Plattformen.

 

Online-Plattformen wie Amazon, WhatsApp oder Netflix gehören längst zu unserem Alltag. Vom Einkaufen über die Gesundheitsberatung bis zur Paarvermittlung viele Menschen können sich das tägliche Leben ohne die komfortablen digitalen Angebote gar nicht mehr vorstellen. Und der Netzwerkeffekt wächst stetig: Immer mehr Menschen nutzen die Plattformen und liefern immer mehr Feedback-Daten. Das lässt neue, weltweit operierende Monopole heranwachsen.

 

Mittlerweile sind die großen Online-Plattformen auch zum Maßstab für Online-Angebote der öffentlichen Verwaltung geworden. „Es muss so einfach und gut sein wie bei Amazon", ist ein häufiger Standardsatz, wenn Kommunen ihre digitalen Anforderungen an ihre IT-Dienstleister formulieren. Mitunter geht der Wunsch auch in Richtung einer mächtigen Plattform für die gesamte öffentliche Verwaltung, hin zu einem „Government-Amazon" für alles, mit Kommunen als quasi Shop-Anbieter einer nationalen Online-Plattform.

 

Das Internet der Dinge hat die Kommunen erreicht

Auch vernetzte Maschinen und Produkte, Sensoren und Aktoren senden kontinuierlich Daten über sich, ihren aktuellen technischen Zustand und die Umweltbedingungen. Das Internet der Dinge (Internet of Things) hat inzwischen auch die Kommunen erreicht. Unter dem Label „Smart Cities" und „Smart Region" digitalisieren die Kommunen und Landkreise ihre lokale Umwelt. So stehen mit Hilfe von Sensoren Informationen über Umweltbedingungen wie Luft- und Wasserqualität, Verkehrs- und Parksituationen in Echtzeit zur Verfügung; über Aktoren kann beispielsweise der Verkehr aktiv gesteuert werden. Mittels Sensorik werden auch die Schulen "smart": Sensoren messen permanent den Wasser- und Energieverbrauch im Schulgebäude und lösen beim Überschreiten von definierten Messwerten über Aktoren eine automatisierte Abschaltung aus. Zug um Zug entstehen mit den Daten aus dem Internet der Dinge digitale Abbildungen der Kommunen, „digitale Zwillinge". Zu diskutieren und politisch zu gestalten ist, wer diese Daten wie und zu welchen Bedingungen nutzen darf.

 

Computerprogramme können heute menschliche Gesichter deutlich zuverlässiger erkennen als die meisten Menschen. Bei der Diagnose bestimmter Krebsarten sind Rechner oft besser als Ärzte, und bei einigen Versicherungen prüfen Rechner die Rückerstattungsansprüche der Versicherten. Die künstliche Intelligenz (KI), das maschinelle Lernen, schreitet stetig voran. Auf Basis künstlicher neuronaler Netze (Deep Learning) und der Feedback-Daten können Rechner besser, schneller und kostengünstiger Entscheidungen treffen als Autofahrer, Sachbearbeiter, Verkäufer, Ärzte, Investmentbanker oder Manager.

 

In der Kommunalverwaltung sind viele Entscheidungen regelgebunden. Auf diese werden sich zukünftige KI-Anwendungen richten. Gerade das Fachgebiet „Legal Technology", also die Digitalisierung der Juristerei als Teilgebiet des maschinellen Lernens, ist für die Kommunen interessant. Noch steht Legal Tech nicht auf der kommunalen Tagesordnung. Zunächst arbeiten erste Kommunen an einer Implementierung von Sprachassistenten wie Alexa, Cortana oder Siri oder setzen Chatbots für die Kunden- und Bürgerkommunikation ein. In der Kombination von Assistenzsystemen mit Legal Tech liegen die Potenziale für eine Automatisierung der Kommunalverwaltung. Diese Legal Tech-Systeme könnten über gemeinsame Datennutzung das maschinelle Lernen für Kommunen nutzbar machen.

 

Neue Technologien in digitale Strategie der Kommunen einbinden

Die erweiterte Realität (Augmented Reality) nutzt Daten, um die Art und Weise, wie Menschen die reale Welt wahrnehmen, mit zusätzlichen Informationen oder Bildern anzureichern und zu gestalten. Längst sind die Datenbrillen, tragbare AR-Geräte oder auch AR-Lösungen auf den Smart Devices in vielen Unternehmen angekommen.  Produktions-, Montage-, Service- oder Umweltdaten werden direkt über Brillen in das reale Arbeitsumfeld der Techniker eingespielt. So können Einstellungen an komplexen Maschinen oder anspruchsvolle Wartungsarbeiten ohne langwieriges Blättern in Handbüchern vorgenommen werden.

 

Auch für die Stadtentwicklung unter aktiver Beteiligung der Bürger eröffnet die Augmented Reality neue Perspektiven: Über Anwendungen der erweiterten Realität können dem Entscheider Datenmodelle von geplanten Neubauten über virtuelle Lösungen auf seine Datenbrille gespielt werden. Der Tourist erhält bei seinem Stadtrundgang Information, Bilder oder Filme auf seinem Smart Mobil oder auf seiner Datenbrille, Museen könnten ihr Angebot noch attraktiver gestalten, und der Besucher der italienischen Oper erhält via Datenbrille den Text in seiner Landessprache.

 

Diese digitalen Innovationen stehen für eine kommunale Nutzung bereit. Sie bieten ein Potenzial für die Stadtgestaltung, das weit über ein E-Government hinausreicht und Kommunalpolitik sowie Kommunalverwaltung beleben und neu erlebbar machen könnte. Doch müssen sie auch eingebunden werden in eine digitale Strategie der Kommunen.

 

Autor: Dieter Rehfeld ist Vorsitzender der Geschäftsführung von regio iT