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Qualifizierter Nachwuchs - Studium nach Maß in Brandenburg

Serie: Arbeitsmarkt und Qualifizierung in der Kommunalen IT (Teil 1: Blick auf die Hochschulen)

Prof. Dr. Bertil Haack ist der Projektleiter der TH Wildau für den Aufbau des Studiengangs Verwaltungsinformatik

Die Public Sector IT braucht kompetente Köpfe, die Lösungen entwickeln und umsetzen. In der diesjährigen Serie gehen wir der Frage nach, wie Verwaltungen und IT-Dienstleister der Aufgabe begegnen, passende Fachkräfte aus- und weiterzubilden und zu finden und zeigen Veränderungen bisheriger Berufsbilder und Jobprofile. Den Auftakt macht ein Blick auf die Hochschulausbildung – exemplarisch im Land Brandenburg, wo gerade ein neuer Studiengang eingerichtet wurde, um den Stellenbedarf der Verwaltung zu decken.

 

von Prof. Dr. Bertil Haack und Katharina Branske (MBA)

Mit der Verabschiedung der Digitalen Agenda im Jahr 2014 hat die Bundesregierung die digitale Transformation der öffentlichen Verwaltungen festgeschrieben. Perspektivisch sollen mehr und mehr Verwaltungsprozesse elektronisch abgewickelt werden. Das stellt die Behörden vielerorts – und so auch in Brandenburg –  vor große Herausforderungen.

Einerseits mangelt es an geeignetem Personal, welches sowohl die entsprechende IT-Qualifikation besitzt als auch über die erforderlichen Fachkenntnisse aus dem Verwaltungsbereich verfügt. Andererseits kann der Bedarf der Verwaltung an IT-Fachkräften nicht aus den eigenen Reihen gedeckt werden. Selbst die Anstrengungen zur Einstellung externer Informatiker bringen nicht die erforderliche Entlastung. Der Markt für gut ausgebildete Informatiker ist hart umkämpft, und der öffentliche Dienst kann in Gehaltsfragen nicht mit der Privatwirtschaft konkurrieren.

 

Mehr als nur IT-Kompetenzen

Zudem sind für diese Schnittstelle rechtliche, wirtschaftliche und verwaltungswissenschaftliche Kompetenzen unverzichtbar. Reinen Informatikern und Wirtschaftsinformatikern fehlen der Einblick und das Verständnis für die Besonderheiten einer öffentlichen Verwaltung, denn hier kommen neben der Wirtschaftlichkeit einer IT-Lösung unter anderem auch Aspekte wie die bürgerfreundliche Ausgestaltung und die Rechtssicherheit zum Tragen. Verwaltungsinformatiker verfügen über die nötigen Kompetenzen, diese drei Faktoren bei einer ganzheitlichen Lösungsfindung zu berücksichtigen.

Für das Land und die Kommunen Brandenburgs lag damit genau eine Lösung nahe: die dringend benötigten Fachkräfte selbst auszubilden. Jener Plan wurde an der südlich von Berlin gelegenen Technischen Hochschule Wildau (THWi) in Gestalt des Studienganges „Öffentliche Verwaltung Brandenburg (ÖVBB)" bereits zum Wintersemester 2016/17 für den allgemeinen gehobenen Verwaltungsdienst realisiert. Diese erfolgreiche Idee sollte jetzt im besten Sinne kopiert und das Studienangebot „Verwaltungsinformatik Brandenburg (VIBB)" zum Wintersemester 2018/19 in analoger Weise als interner Studiengang an der THWi eingerichtet werden. Entsprechend war bzw. ist auch vorgesehen, dass die Auswahl der VIBB-Studierenden und deren Entsendung an die Hochschule durch die Ausbildungsbehörden auf Landes- und kommunaler Ebene Brandenburgs erfolgen.

 

Umsetzung

Mit der Entscheidung für den Studiengang VIBB im August 2017 wurden wesentliche Eckpunkte zur Ausgestaltung von VIBB festgelegt: VIBB wurde als siebensemestriger, praxisintegrierter dualer Studiengang konzipiert. Die Verzahnung von Theorie und Praxis wird zum einen durch vier über das Studium verteilte Praktika realisiert, zum anderen durch Lehrinhalte gewährleistet, die speziell auf die IT-Belange der öffentlichen Verwaltung Brandenburgs ausgerichtet sind. Auf diese Weise erhalten die Studierenden tiefe Einblicke in die IT-bezogenen Geschäftsprozesse des Landes und der Kommunen Brandenburgs – damit soll eine möglichst breite Einsatzfähigkeit der zukünftigen Verwaltungsinformatiker gewährleistet werden. Die gemeinsamen Lehrveranstaltungen sollen zudem die Vernetzung und so ebenfalls die landesweite Einsetzbarkeit der Absolventen in der öffentlichen Verwaltung Brandenburgs befördern.

Wegen der positiven Erfahrungen aller Beteiligten des Landes und der Kommunen Brandenburgs sowie der THWi mit der Entwicklung des bereits bestehenden Studiengangs ÖVBB wurde auch hier ein gemeinsames Projekt mit einer dreistufigen Aufbauorganisation bestehend aus dem Lenkungsgremium und dem Aufbaustab als zentrale Entscheidungsorgane sowie mit den Arbeitsgruppen für die fachlich-inhaltlichen Aufgaben implementiert.

Das Curriculum, das Modulhandbuch, die Studien- und Prüfungsordnung und die Praktikumsordnung für VIBB wurden wesentlich von den Arbeitsgruppen entwickelt und im Januar 2018 seitens der THWi beschlossen. Die Auswahl der zukünftigen Studierenden durch die Einstellungsbehörden wurde bis zum erfolgreichen Projektabschluss im Juli 2018 realisiert. VIBB konnte daher im September 2018 wie geplant mit 35 Studierenden gestartet werden.

Ausblick

Aufgrund des erheblichen Bedarfs an Verwaltungsinformatikern wird der Studiengang VIBB ab dem Wintersemester 2019/20 auf 70 Studierende ausgeweitet. Dieser Personalbedarf ist ein wesentlicher Grund auch dafür, dass die THWi Ersuchen von außerhalb Brandenburgs erhält, ob von dort Studierende in den Studiengang VIBB delegiert werden können (Ähnliches gilt übrigens genauso für ÖVBB). Inwieweit die Nachfragen erfüllt werden können, ist derzeit ebenso offen wie die mögliche Ergänzung von VIBB durch einen Master-Studiengang derselben Fachrichtung.

 

Andere Länder, andere Hochschulen

Brandenburg ist nicht das einzige Bundesland mit einem Studium für angehende Public-Sector-IT-Fachleute. Auch in Berlin, Bayern, Sachsen, Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg, Sachsen-Anhalt, Niedersachsen und an der Hochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung in Nordrhein-Westfalen werden IT-Fachkräfte für die öffentliche Verwaltung ausgebildet. Bachelor, Master oder Diplom sind mögliche Abschlüsse. Die Länder und Hochschulen gehen dabei unterschiedliche Wege. Viele Hochschulen haben ihre Studiengänge mit hohem Praxisbezug konzipiert oder als duales Studium angelegt, manche legen besonderen Wert auf Interdisziplinarität. Einige sind Teil der regulären Beamtenausbildung, andere erlauben auch ein berufsbegleitendes Studium.