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Digitale Pädagogik

Schulen bruchen schnelles Internet, Lehrerinnen und Lehrer müssen gut qualifiziert sein - mit dem DigitalPakt Schule und verfügbaren fünf Milliarden Euro bringen Bund und Länder beides entscheiden voran.

Torsten Heil ist Pressesprecher der Kultusministerkonferenz

Der digitale Wandel hat weitreichende Folgen für unsere Arbeitswelt, für unsere Kommunikation und natürlich auch für die Bildung. Ein reflektierter und konstruktiver Umgang mit digitalen Medien ist für Kinder und Jugendliche daher genauso bedeutsam wie Rechnen, Lesen und Schreiben. Das betrifft die Mediennutzung in der Schule, aber natürlich auch in der Freizeit. Schule, berufliche Bildung und Hochschulen sind Lernorte, an denen Menschen Kompetenzen erwerben sollen, um sich selbstbestimmt in der Welt zu bewegen – und diese Welt ist heute digital. Der DigitalPakt Schule ist dabei ein weiteres Element, welches auf den Strategien der Kultusministerkonferenz und dem Bundesministerium für Bildung und Forschung aufsetzt.

 

Strategie der Länder

Lange vor dem DigitalPakt Schule haben sich die Länder in der Kultusministerkonferenz (KMK) Gedanken über Medienbildung und das Lernen in der digitalen Welt gemacht. In der 2016 beschlossenen Strategie „Bildung in der digitalen Welt“ hat die KMK in sechs Handlungsfeldern die notwendigen Entwicklungsprozesse in Schule, Hochschule und beruflicher Bildung beschrieben, um Lehrende und Lernende auf den digitalen Wandel vorzubereiten. In diesen Handlungsfeldern müssen gleichzeitig Maßnahmen geplant, aufeinander abgestimmt und umgesetzt werden. Das erste Handlungsfeld bezieht sich darauf, dass Bestehende und neue Lehr- und Lernangebote erweitert beziehungsweise curricular verankert werden sollen. Zweitens: Lehrerinnen und Lehrer sowie Erzieherinnen und Erzieher sollen durch Aus-, Fort- und Weiterbildungen dazu befähigt werden, digitale Medien nachhaltig in Lehr- und Lernszenarien einzubinden. Handlungsfeld 3: Für das Gelingen der digitalen Strategie ist der Zugang zu lernförderlicher IT-Infrastruktur für Lernende und Lehrende eine notwendige Bedingung. Viertens kann ein digitaler Lernort nur entstehen, wenn die Verfügbarkeit digitaler Bildungsmedien an Bildungsorten verbessert und sichergestellt wird, dass diese eine angemessene Qualität haben. Das fünfte Handlungsfeld beschäftigt sich mit Fragen der Nutzung intelligenter IT-Managementsysteme und entlastender Angebote des E-Governments für Akteure im Bildungsbereich. Das sechste Handlungsfeld bezieht sich auf die notwendigen rechtlichen und funktionalen Rahmenbedingungen für die Bildung in der digitalen Welt.

Für den Bereich Schule ergeben sich zwei zentrale Ziele aus der Strategie. Zum einen die curriculare Einbindung von Kompetenzen für die digitale Welt, die in einem verbindlichen Kompetenzrahmen beschrieben werden. Dieses soll nicht in einem eigenen Fach, sondern jeweils fachspezifisch in allen Fächern umgesetzt werden. Und zum anderen die digital gestützte Gestaltung von Lehr- und Lernprozessen. Hierbei geht es um die pädagogisch fundierte Einbeziehung der Potenziale digitaler Medien und Bearbeitungsmöglichkeiten.

 

Digitaler Wandel in jedem Schulfach

Wir sollten die Vorstellung überwinden, dass analoges und digitales Lernen in einem unversöhnlichen Gegensatz zueinander stünden. Als ob es darum ginge, das Analoge abzuschaffen und es durch das digitale Lernen ersetzen zu wollen. Es geht vielmehr darum, die Digitalisierung inhaltlich in allen Schulfächern aufzugreifen und umzusetzen sowie bestehende und neue Lehr- und Lernangebote zu erweitern und zu verankern. Der digitale Wandel birgt somit das Potenzial, Schülerinnen und Schüler in heterogenen Lerngruppen individuell zu fördern und zu fordern und gleichzeitig Lehrkräfte zu entlasten. Dabei gilt, dass das Lehren und Lernen in der digitalen Welt dem Primat des Pädagogischen – also dem Bildungs- und Erziehungsauftrag – folgen muss. Das Lernen und nicht die simple Bedienung eines technischen Geräts steht somit im Vordergrund. Bildung in der digitalen Welt bedeutet daher, dass durch die Veränderung von inhaltlichen und formalen Lernprozessen und die Nutzung digitaler Lernumgebungen die Selbstständigkeit und die Entfaltung individueller Potenziale der Schülerinnen und Schüler gestärkt werden.

Wie dieser Wandel in die Schulen und in den Unterricht getragen wird, wird wesentlich vom pädagogischen Personal und der jeweiligen Schulleitung gestaltet. Die Lehrkräftefortbildung ist also ein wichtiger Baustein in dem in der Strategie von 2016 festgeschriebenen Vorhaben, dass bis 2021 alle Schülerinnen und Schüler eine digitale Lernumgebung nutzen und digitale Kompetenzen entwickeln können. Es ist wichtig, dass die Lehrerinnen und Lehrer sicher und souverän mit den digitalen Bildungsangeboten umgehen können. Das ist ein Auftrag vor allem an die Lehreraus- und -fortbildung. Lehrkräfte sollen digitale Medien nachhaltig und ganz selbstverständlich in den Unterrichtsalltag einbinden.

 

DigitalPakt Schule

Um diese Ziele zu erreichen, brauchen die Länder Unterstützung. Und genau dort kommen die fünf Milliarden Euro des Bundes ins Spiel – der DigitalPakt Schule. Die Bundesmittel fließen schwerpunktmäßig in den Ausbau und die Verbesserung der informationstechnologischen Bildungsinfrastruktur, die Länder investieren in diesem Zusammenhang verstärkt in die Entwicklung pädagogischer Konzepte für das Lernen in digitalen Umgebungen und die Qualifizierung der Lehrkräfte. Eine Voraussetzung für die Beantragung der Mittel ist die Vorlage eines technisch-pädagogischen Konzepts jeder einzelnen Schule. Förderfähig sind insbesondere die breitbandige Verkabelung der Schulen, die WLAN-Ausleuchtung sowie stationäre Endgeräte wie zum Beispiel interaktive Tafeln. Im Einzelfall könnten auch Klassensätze mobiler Endgeräte förderfähig sein, sofern diese nach dem speziellenpädagogischen Konzept einer Schule erforderlich und notwendige Infrastrukturkomponenten bereits vorhanden sind. Die Details hierfür werden in den Förderbekanntmachungen der Länder festgelegt. Der DigitalPakt Schule folgt dem Grundsatz „keine Ausstattung ohne Konzept“. Denn nur wenn der Aufbau von digitalen Lerninfrastrukturen durch passende pädagogische Konzepte flankiert wird, zahlen sich die Investitionen langfristig aus.

 

Autor: Torsten Heil, Pressesprecher der Kulturministerkonferenz (KMK)